Historische Kommission für Mecklenburg vor 20 Jahren gegründet
Die deutsche Wiedervereinigung
von 1990 hat viele neue Impulse gegeben, so auch in der lange Zeit in den
Hintergrund getretenen mecklenburgischen Landesgeschichte. Da die Kultur eine
Angelegenheit der Länder ist, waren für Mecklenburg-Vorpommern Strukturen in
der Forschungslandschaft zu schaffen, die mit denen der alten Bundesrepublik
kompatibel waren. Hierzu gehörten Historische Kommissionen, die es als
Staatseinrichtungen mit ernannten Mitgliedern und als freie Vereinigungen von
Fachleuten gibt, welche nach den Prinzipien der Selbstverwaltung und
Selbstergänzung durch Zuwahl ausgewiesener Fachleute arbeiten.
Bereits am 21. November 1990
konstituierte sich die Historische Kommission für Mecklenburg als Verein mit
Sitz in Schwerin, um für die Landesgeschichte eine Basis zu organisieren, in
der Experten aller Sparten aus Hochschulen und der außeruniversitären Forschung
gemeinsam wirken konnten. Da die 1910 gegründete Historische Kommission für Pommern
in der Bundesrepublik weitergearbeitet hatte, sollte die mecklenburgische
Schwesterkommission den Anschluss an bestehende Strukturen in der
Bundesrepublik gewinnen. Die Historische Kommission für Mecklenburg war die
erste Neugründung dieser Art in der ehemaligen DDR, denen die anderen neuen
Länder bis 1996 folgten.
Am Buß- und Bettag trafen sich im
Mecklenburgischen Landeshauptarchiv neun Fachleute aus Ost und West, um
Möglichkeiten und Arbeitsprogramme für eine Kommission zu diskutieren und der
mecklenburgischen Landesgeschichte wieder eine Organisationsform zu geben, die
ihr seit Kriegsende gefehlt hatte. Als Ergebnis der Beratungen wurde die
Kommission gegründet. Erster Vorsitzender wurde Dr. Helge Bei der Wieden,
Bückeburg, selbst renommierter Autor einschlägiger historischer Arbeiten zu
Mecklenburg. Er leitete die Kommission bis zum Jahre 2002. Seither arbeitet sie
vollständig aus dem Lande, also vom Standort Schwerin. Wie ihr seitheriger
Vorsitzender, der Direktor des Landeshauptarchivs Dr. Andreas Röpcke, aus
Anlass des Jubiläums erklärte, wurden in den 20 Jahren der Tätigkeit 26 Bände landesgeschichtlicher Werke
mit rund 7900 Druckseiten erstellt. Dieses beachtliche Ergebnis sei
gleichermaßen der regelmäßigen Förderung durch Mittel des Kultusministeriums
von Mecklenburg-Vorpommern und der ehrenamtlichen Tätigkeit der
Kommissionsmitglieder zu danken. Die Produkte der Kommission seien
Quelleneditionen, Sammelbände und Grundlagenwerke, für die etliche andere
Bundesländer hauptamtliche Institute unterhalten. Mit Fachtagungen werde auch
regelmäßig in die Öffentlichkeit gewirkt.
Das besonders in der
Gründungsphase wichtige wachsende Miteinander zwischen Fachleuten aus Ost und
West schuf ein wissenschaftliches Forum in der Kommission. Sie wurde der mecklenburgischen
Landesgeschichte durch den Austausch von Sachinformationen und Arbeitsmethoden
überregional dienstbar. Gerade das »Biographische Lexikon für Mecklenburg«, dessen
Band 6 im Satz ist, formte über seine Autoren ein »Netzwerk» von Wechselwirkungen
zwischen der Forschung über Mecklenburg im Lande selbst und außerhalb. Als
Mitarbeiter wurden zahlreiche Gelehrte aus allen Teilen der Bundesrepublik und
sogar aus dem Ausland gewonnen.
Personell ist die anfangs eher paritätisch zwischen Mitgliedern aus beiden
Teilen Deutschlands besetzte Kommission heute gut im Lande aufgestellt. Rund 75
Prozent der 23 Mitglieder sind in Mecklenburg tätig. Aktive auswärtige Mitglieder
wirken in Berlin, Hamburg, Heidelberg, Lübeck und Marburg. Auf der jüngst
abgehaltenen Jahrestagung zum Jubiläum wurden als neue Mitglieder Dr. Torsten
Fried, Staatliches Museum Schwerin, und Archivdirektor Dr. Karsten Schröder,
Stadtarchiv Rostock, in die Kommission berufen.